Monatsthemen

und Gewinner

Obertonsingen für göttliche Ohren

Die Jury hat entschieden!

Wettbewerb im April 2018

Frei nach Mark Forster: Und die Chöre singen für dich. Oder für wen singen sie hier? „Obertonsingen für göttliche Ohren“ heißt unser Thema im April. Es klackt, jault, tost und singt. Textet eure eigene Sinfonie. Inspiration gibt es von der Lyrikerin Odile Kennel und ihrem Gedicht "wenn ich die Augen schließe, ist der Himmel ein Bagger“. Außerdem dabei: eine kleine Schafherde aus Beton von Judith Hopf, zu sehen im Lenbachhaus München.

wenn ich die Augen schließe, ist der Himmel ein Bagger

Odile Kennel

gelb, seine Schaufel so groß
dass die Welt hineinpasst. Er ist der Gott
aller Bagger auf Erden. Ihn beten sie an
mit jedem Klackklack ihrer Gelenke
ihr chorisches Wühlen ist ein Wüten
gegen ihre conditio technica, ihr Jaulen
im Tosen der Baustellen ein Jauchzen
Obertonsingen für göttliche Ohren.
Im Gleichtakt recken sie ihre Greifer
zum Himmel empor, doch diesen Takt
nähme man nur von dort oben aus wahr
wenn man selbst Gott wäre, Himmel oder
ein Bagger in der Größe des Himmels.
(Vielleicht ahnen Kinder die Nöte
der Bagger oder sie wollen Gott sein
der die Schaufeln bedient.) Ich öffne
die Augen, der Himmel ist eine riesige
Schaufel, gelb, hängt
am Gelenk des Alls.

nach einer Zeile von Carl-Christian Elze

 

Hier auf lyrikline hören

Obertonsingen für göttliche Ohren. Mit jedem Klackklack. Chorisches Wühlen. Im Tosen der Baustellen ein Jauchzen. Odile Kennels Gedicht „wenn ich die Augen schließe, ist der Himmel ein Bagger“ ist voll von Klängen, Geräuschen, Tönen. Wie eine große Sinfonie. Aber was klingt hier zusammen in einer großen Fülle? Träume? Die Großstadt? Das Universum?

Lasst es singen, klingen, tosen, jauchzen. Seid Komponisten eurer eigenen (göttlichen?) Sinfonie. Für wessen Ohren ist sie bestimmt? Was seht und hört ihr, wenn ihr die Augen schließt?

Schickt uns eure Texte zum Thema „Obertonsingen für göttliche Ohren“! Wir sind gespannt!

 

Übrigens: Das Obertonsingen ist eine Gesangstechnik, bei der ein*e Sänger*in ganz allein den Eindruck von Mehrstimmigkeit erzeugt. Einzelne Obertöne werden dabei aus dem Klangspektrum der Stimme so herausgefiltert, dass sie als getrennte Töne wahrgenommen werden.

Odile Kennel
Die Lyrikerin wurde 1967 in Bühl/Baden geboren und wuchs mit den Sprachen Deutsch und Französisch auf. 2011 erschien ihr Roman Was Ida sagt, 2013 ihr Lyrikband oder wie heißt diese interplanetare Luft, 2017 ihr zweiter Roman Mit Blick auf See (alle bei dtv). 2015 war sie für den Alfred Döblin-Preis nominiert, 2013 war sie Finalistin beim poet in residence in Dresden und wurde mit dem zweiten Münchner Lyrikpreis ausgezeichnet. Sie übersetzt Lyrik aus dem Französischen, Portugiesischen, Spanischen, Englischen, zuletzt von Robin Coste Lewis Die Reise der Schwarzen Venus (Steidl 2017) sowie von Jacques Darras Endlich raus aus dem Wald. Ein rasendes Thesengedicht (KLAK 2017).

Judith Hopf
Untitled (Sheep), 2013, Beton, Styropor, Holz, Eisenstange, Kreidezeichnung

Diese kleine Schafherde ist aus Betonblöcken geformt, die in herkömmliche Umzugskartons gegossenen wurden. Neben Beton hat Judith Hopf auch Styropor, Holz, Eisenstangen, und Kreidezeichnung als Material eingesetzt. Die Künstlerin greift auf sehr reduzierte und minimale Weise die äußeren Merkmale von Schafen auf. Trotz des unbeweglichen und unwirklichen Aussehens sind die Betonblöcke als Schafe erkennbar. Was möchte die Künstlerin durch eine Schafherde aus Beton ausdrücken? Welche Anspielungen sind darin enthalten?

Judith Hopf wurde 1969 in Karlsruhe geboren und arbeitet mit den Medien Video, Skulptur, Performance und Grafik. Sie lehrt an der Frankfurter Städelschule und lebt in Berlin. Die Künstlerin beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit gesellschaftlich relevanten Fragen. Sie hinterfragt Rollenzwänge und aufgezwungene Verhaltensweisen, die zu einer Gleichschaltung von Menschen oder zu Ausgrenzung führen. In ihren Werken setzt die Künstlerin Tiere als Repräsentanten menschlichen Verhaltens und sozialer Strukturen ein und vermittelt ihre Sozialkritik so auf eine subtile und humorvolle Weise.

Das Lenbachhaus
Die Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München ist ein Ort an dem Kunst und Kultur ausgestellt, diskutiert und reflektiert werden. Münchner Kunst des 19. Jahrhunderts, die Kunst des Blauen Reiter und der Neuen Sachlichkeit sowie vor allem internationale Gegenwartskunst werden am Lenbachhaus gesammelt, bewahrt, erforscht, präsentiert und vermittelt. Dabei hat das Neue und Bewegende Vorrang vor allgemeiner Akzeptanz. Dies geht mit der Absicht einher, anregende Themen der Gegenwart und aktuelle künstlerische Praktiken durch gewagte Ausstellungen und unkonventionelle Vermittlungsaktivitäten einer interessierten Öffentlichkeit jeden Alters zu präsentieren. Mit ca. zehn Ausstellungen pro Jahr, oft begleitet von Rahmenveranstaltungen wie Gesprächen, Vorträgen und Filmvorführungen, ist das Lenbachhaus ein Zentrum für die Betrachtung von und Debatten über Kunst des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.

lenbachhaus.de

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