Monatsthemen

und Gewinner

Im Buch den Daumen die Dame hat

Die Jury hat entschieden!

Wettbewerb im März 2018

Im März taucht lyrix in Bücherwelten ab: „Im Buch den Daumen die Dame hat“ heißt unser Thema nach dem Gedicht „Christine“ von Sibylla Vričić Hausmann. Passend dazu stellen wir euch den historischen Büchersaal der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften vor. Spielen Bücher noch eine Rolle für euch? Wie, wann, wo lest und schreibt ihr? Schickt uns eure Texte rund um das Buch. Wir freuen uns!

Christine

Sibylla Vričić Hausmann

„Ich griff nach schönen, gewichtigen Büchern und sagte mir, ich würde das in der
Vergangenheit Versäumte schon noch nachholen.“
– Christine de Pizan

 

danke, Venice, dass du mich wiegtest, seinerzeit.
spieltest mit mir, luftige Vase, spieltest das Lied, du bist
Stämme, ein Bukett, ins Wasser gehauen, singende Pfähle.

ich zähme die Rede, die in schwingenden Zungen zerbrach
als mein Freund verpuffte. er war weiß und rot und blühte
zwischen den Stämmen, aber dann lag er still mit dem Staub und

ich, Christine, allein, seulete, ohne Gefährten oder Gebieter
erfüllt nur mit Atemwolken und anderen rauchigen Perlen.
meine Finger (um nur einige zu nennen) bleiben kalt.

sie hören nicht auf mit dem Federn. leben als Dame und Mann,
der Griff nach wichtigen Büchern tröstet in Gärten, in denen,
die sich verbergen, hinter Zähnen, weißen Wachhunden, zwischen

gebauschtem Stoff, meinem Zelt, aufgespannte Gesichtszüge,
Witwenschleier, two-horned thing auf Stirnsockeln,
vor die gesunde Sandalen ziehen, geschnürte Zehen.

im Buch den Daumen die Dame hat, bis der finale
Vorhang, zweigehörnt, fällt. ich glitt in die Welt, gondelgleich,
Kopf voraus. mein spätes Studium
                  hat mir nicht zum Schaden gereicht.

 

aus: Sibylla Vričić Hausmann, 3 FALTER, Reihe Neue Lyrik – Band 14, poetenladen Verlag, 2017/2018

Liest du noch oder klickst du nur? Haben wir noch Lust, ein Buch in die Hand zu nehmen oder scrollen wir lieber Seiten im Netz durch und überfliegen Häppchen an Informationen? Und wenn es so wäre: Wäre das schlimm? War früher mal wieder alles besser, als wir uns noch regelmäßig Bücher aus der Stadtbibliothek ausgeliehen und abends heimlich unter der Bettdecke weitergelesen haben, weil sie so spannend waren? Interessieren euch Bücher in ihrer ursprünglichen Form heute noch?

Welche Rolle spielen Bücher für euch? Was bedeutet euch Lesen und Schreiben? Schickt uns im März Texte rund um das Buch. Ist es außer Mode oder nerven euch solche Diskussionen?

Ihr könnt uns auch Texte über Schriftsteller*innen schicken. Über euer eigenes Schreiben oder das Schreiben eines anderen, so wie es Sibylla Vričić Hausmann in ihrem Text „Christine“ tut, in dem sie Bezug auf die im 14. Jahrhundert in Venedig geborene Schriftstellerin Christine de Pizan nimmt. Sie gilt als bedeutendste Schriftstellerin des Mittelalters und als erste Frauenrechtlerin der Geschichte. Vielleicht inspiriert euch das zu einem Text über andere bemerkenswerte Schriftstellerinnen der Frauenbewegung wie Virginia Woolf oder Simone de Beauvoir?

Wir freuen uns auf eure Texte zum Thema „Im Buch den Daumen die Dame hat“!

Sibylla Vričić Hausmann
1979 in Wolfsburg geboren, studierte Literaturwissenschaften, Linguistik und Philosophie in Münster und Berlin. Im Anschluss lebte sie für drei Jahre in Bosnien und Herzegowina, wo sie an einem Theater arbeitete. Ein zweites Studium absolvierte sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie veröffentlichte Gedichte, Essays, Wissenschaftliches und Kurzprosa in Zeitschriften und Anthologien. Anfang 2018 erscheint ihr Debüt „3 FALTER“ (Lyrik) im Poetenladen Verlag. Die „Tippgemeinschaft 2016“ und die Lyrikanthologie „Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten“ (2017) gab sie zus. mit anderen heraus und ist Redakteurin der Literaturzeitschrift „PS: Anmerkungen zum Literaturbetrieb / Politisch Schreiben“. 2013 gewann sie den 2. Feldkircher Lyrikpreis, war Finalistin beim Literarischen März 2015 und beim Lyrikpreis München 2016. 2016 erhielt sie ein Arbeitsstipendium der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Historischer Bibliothekssaal der Bibliothek der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften
Der Biblitheksaal wurde ab 1806 nach dem Vorbild der Bibliothek der Franckeschen Stiftung in Halle und britischen Colleg-Bibliotheken eingerichtet. Die Grundidee folgt barocker Theaterarchitektur – mit Triumphbögen des Wissens, die wie Kulissen den Saal gliedern. Aufgrund der schnell wachsenden Buchbestände wurde im Jahr 1841 eine Erweiterung notwendig. Als Arbeitsbibliothek fehlt prunkvoller Schmuck. Allein Buchrücken zieren den Raum. Die älteren Stuckdecken wurden abgeschlagen, damit nichts von der Macht des Wortes ablenkte. Bei der Restaurierung 1951 hat man die ursprüngliche Stuckdecke malerisch wieder angedeutet. Heute gehört der Saal als Interieurkunstwerk zu den schönsten Bibliotheksräumen Deutschlands. Die in ihm aufgestellten Bücher können im Lesesaal der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften benutzt werden.

Kulturhistorisches Museum Görlitz
Das kulturhistorische Museum ist das wichtigste Museum für die Europastadt Görlitz-Zgorzelec und deren Umgebung. Es bewahrt die materielle und geistige Geschichte, ist Forschungseinrichtung für diese Geschichte und Bildungseinrichtung für alle Besuchergruppen.

Zu den Besonderheiten des Kulturhistorischen Museums zählen die größte kommunale archäologische Regionalsammlung Ostdeutschlands, eine überregional bedeutende Sammlung für bildende und angewandte Kunst der Oberlausitz, ein national bedeutendes Graphisches Kabinett sowie international einzigartige wissenschaftsgeschichtliche Sammlungen mit fast 250jähriger Standorttradition.

 

museum-goerlitz.de

Die Jury hat entschieden!