Monatsthemen

und Gewinner

die verdrehen was ich bin

Die Jury hat entschieden!

Wettbewerb im Juli 2018

Özlem Özgül Dündar und ihr Gedicht "wo es mich bricht" wollen euch im Juli zum eigenen Dichten inspirieren. Angelehnt an ihren Text lautet unser Thema: "die verdrehen was ich bin". Wir sind gespannt, was euch dazu einfällt! Weitere Anregungen bieten die zwei Skulpturen "Discussion" und "Mixed Feelings" des britischen Bildhauers Tony Cragg, die im Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal zu finden sind.

wo es mich bricht

Özlem Özgül Dündar

wenn sie an mir zerren mir d
ie richtungen zeigen wollen
wenn ichn gehöre zu dem e
inen u n gehöre zu dem and
eren u sie liegen an mir u auf
mir zwei schatten die verklä
ren verdrehen was ich bin w
as ich sein soll die werfen
ihre teile auf mich u ich kenn
e den ort wo das schwärze
ste von ihnen sich trifft u
wenn es mich bricht u ich
gehe u teile zusammenlege
von einem u vom anderen da
s mich zerrt das mich dreht
in richtungen wenn zwei sc
hatten liegen aufeinander we
nn ihr schwärzestes mich bri
cht teile n passen zusammen
wenn ich n gehöre zu dem ei
nen u n zu dem anderen

 

(aus: Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten, Anthologie, poetenladen 2017)

Habt ihr manchmal auch das Gefühl nicht dazuzugehören? Euch verstellen zu müssen? „die verdrehen was ich bin“ heißt unser Thema im Juli. Die Zeile entstammt dem Gedicht „wo es mich bricht“ von Özlem Özgül Dündar. Das Gedicht erzählt von der Schwierigkeit, das eigene Ich zu behaupten. Und dabei zeigt sich die Beklemmung, die das lyrische Ich empfindet, auch in der Form: In einer schmalen Spalte geschrieben vermittelt der Text auch optisch einen Eindruck von Eingesperrtsein. Teilweise beginnen Worte in einer Zeile und enden in der nächsten – auch sie werden auseinandergerissen. Wer aber ist es, der da am lyrischen Ich zerrt und zieht? Wer sind „die“, die „verdrehen was ich bin“?

Schickt uns im Juli eure Gedichte: Wer verdreht euch? Wann müsst ihr euch vielleicht selbst verdrehen? Zieht und zerrt jemand an euch, so dass ihr manchmal selbst nicht wisst, wo ihr hingehört und wer ihr seid? Greift Zeilen aus Özlem Özgül Dündars Gedicht auf und spinnt sie weiter: „die verdrehen was ich bin“, „wenn sie an mir zerren“, „we/ nn ihr schwärzestes mich bri/cht“. Oder spielt mit der Form so wie es das themengebende Gedicht tut. Wir sind gespannt, was euch einfällt und freuen uns auf eure Texte!

Özlem Özgül Dündar
1983 in Solingen geboren, studierte Literatur und Philosophie in Wuppertal und anschließend am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie schreibt Prosa, szenische Texte, Essays, performt mit ihren Kollektiven GID, Kaltsignal und Kanak Attak Leipzig und ist als Herausgeberin sowie als Übersetzerin tätig. Sie erhielt den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis, den Retzhofer Dramapreis und für die Arbeit an ihrem Gedichtband „gedanken zerren“ das Arbeitsstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen.

lyrix zu Gast im Museum
Zu unserem aktuellen Monatsthema wird Özlem Özgül Dündar im Juli eine Schreibwerkstatt im Skulpturenpark Waldfrieden für Schüler*innen aus Wuppertal anbieten. Im Skulpturenpark sind Werke des britischen Bildhauers Tony Cragg zu finden, von denen uns zwei auch als weitere Inspirationsquelle für unser Monatsthema dienen. Was sagen euch die beiden Skulpturen "Discussion" und "Mixed Feelings" mit Bezug zum Thema "die verdrehen was ich bin"?

 

 

Skulpturen von Tony Cragg
Im Skulpturenpark Waldfrieden ist die Wahrnehmung der Kunst in die Naturerfahrung eingebunden und nicht von ihr zu trennen. Das Waldfrieden-Gelände ist durch den besonderen Charakter seiner Hanglage geprägt: Bei starker Steigung über dem engen Kerbtal der Wupper und seiner besiedlungsfeindlichen Gesteinhaltigkeit konnte sich viel innerstädtischer Wald erhalten.

Die Citynähe und die charakteristische Topografie sind günstig für die Entwicklung des Parks, der die Skulptur in der Fülle ihrer Möglichkeiten und Erscheinungsformen zugänglich macht. Seit der Eröffnung 2008 baut die Cragg Foundation ihre Sammlung bedeutender Plastik stetig aus. Der Schwerpunkt liegt auf der Kunst der Moderne und der Gegenwart.

Die Begegnung mit drei Dutzend Skulpturen in der Natur fordert die Wahrnehmung heraus. Sehr unterschiedliche und allesamt komplexe Formen skulpturalen Denkens verbindet der Rundgang durch den Park. Neben zahlreichen Plastiken Tony Craggs wird ein breites Spektrum bedeutender Positionen der Gegenwart gezeigt, darunter Werke von William Tucker, Wilhelm Mundt, Eva Hild, Jaume Plensa, Hubert Kiecol, Richard Deacon, Jonathan Monk, Thomas Schütte, Markus Lüpertz, Hede Bühl und Bogomir Ecker.

Anders als der geschlossene Ausstellungsraum konfrontiert der Park das Werk und den Betrachter mit vorübergehenden Erscheinungen des Tages- und Jahreslaufs. Der mächtige Waldschirm alter Laubbäume verbindet sich mit der Parkkulisse zum höchst lebendigen Ausstellungsgelände, das Wärme und Kälte, Nässe und Trockenheit, Laubfarben und Lichtreflexe des jahreszeitlichen Sonnenstands auf die Skulpturen einwirken lässt und Einfluss auf ihre plastische Erscheinung nimmt.

Skulpturenpark Waldfrieden
Auf den Höhen Wuppertals, zwischen Elberfeld und Barmen, liegt der Skulpturenpark Waldfrieden. Ein international wahrgenommenes Ausstellungszentrum für Skulpturen ist hier entstanden, das der britische Bildhauer Tony Cragg 2008 auf dem lange Zeit verwaisten Villengrundstück Waldfrieden einrichtete. Das gut 14 Hektar große Anwesen gehörte ursprünglich dem Wuppertaler Industriellen Kurt Herberts, der sich hier zwischen 1947 und 1950 eine zweigeschossige Villa errichten ließ. Das Baudenkmal fügt sich harmonisch in Landschaft und Naturraum ein, ist aber aus konservatorischen Gründen nicht öffentlich zugänglich. Innerhalb des weitläufigen Geländes wird eine stetig wachsende Skulpturensammlung ausgestellt, die neben Plastiken von Tony Cragg auch Werke anderer namhafter Künstler der Gegenwart umfasst. Dank seiner Topographie ist das Gelände hervorragend geeignet, Skulpturen inmitten wechselnder landschaftlicher Verhältnisse zu präsentieren.

Die Jury hat entschieden!