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Wettbewerb im November 2018

Im November dreht sich bei lyrix alles um die Auseinandersetzung mit „Heimat“. Was heißt es, wenn man heute und in Anbetracht der gegenwärtigen politischen Situation von Heimat spricht? Hat der Begriff noch eine Bedeutung für euch? Inspiration kommt diesen Monat von dem Grazer Lyriker Christoph Szalay, der sich in Text- und Bildform mit dem Spannungsfeld „Heimat“ beschäftigt. „legen neue Kapitel an“ heißt unser aktuelles Thema! Wir freuen uns auf eure Gedichte!

Christoph Szalay

legen neue Kapitel an, in jenen Erzählungen, deren Ausgänge als
unvermeid-, -verwüst-, -verrückbar, in dieser, in jeder, in alle Ewigkeit
gelten: remember, dear, der blaue Himmel, Wüstenlandschaft, du als
Soldat, Liebling, Abenteurer, Eroberer – Heilige Dreifaltigkeit, libido
sentiendi, libido sciendi, libido dominandi
– blickst übers Land, scheuerst die
Flanken deines Pferdes wund auf deinem Ritt, deiner Reise Richtung
Tausendundeine Nacht, den Spuren der großen Namen, vergangener und
aller zukünftiger, نيل entlang bis القاهرة, weiter nach الفيوم ,ابو سمبل,
zurück nach القاهرة , سيناء gequert, über سيناء , وادي العربه südlich
البحر الميت, insالارض المقدسة, القدس, دمشق – Ausweitung von
Habitat, Herkunft, Heritage,

I got, I got, I got, I got
Loyalty, got royalty inside my DNA
Cocaine quarter piece, got war and peace inside my DNA
I got power, poison, pain and joy inside my DNA
I got hustle though, ambition, flow, inside my DNA
I was born like this, since one like this
Immaculate conception
I transform like this, perform like this

etc.

überm Bett noch die Sehnsüchte deiner Kindheit – Zwei Männer in
Betrachtung des Mondes, Der schwarze Blitz
zwischen den Lärchen, den
Zirben, den Fichten der schneebedeckten Hänge, die Wilhelm Gustloff im
Hafen von Danzig mit Blick noch aufs offene Meer – hängen wir ab,
spannen Schleier darüber, Sätze, die sagen, in welche Richtung diese Reise
nun geht: Everyday Practice, New Formations, Affective Connections,
Visions, Octopus Love, etc. oder

 

whenever you say 'my culture', you are separated

Und so sieht Christoph Szalays Text im Original aus:

Christoph Szalays Text nähert sich dem Begriff „Heimat“ in Fragmenten an. Er verwendet und vernetzt verschiedene Sprachen, Schriftarten und Zitate, so zum Beispiel aus dem Lied „DNA“ von US-Rapper Kendrick Lamar: I got, I got, I got, I got / Loyalty, got royalty inside my DNA…

Legt im November „neue Kapitel“ an und fügt den Erzählungen, Auseinandersetzungen und Gefühlen rund um den Begriff „Heimat“ eure Perspektive hinzu. Denkanstöße dazu liefert Christoph Szalay selbst. Er fragt euch: „Was heißt "Heimat"? Was kann es heißen? Was soll es nicht heißen? Und wie kann man einschlägigen Konzepten von "Heimat" begegnen, dem etwas anderes entgegenstellen? Wie lässt sich eine Realität abbilden, die sich durch eine Vielzahl an Identitäten in jegliche Richtung auszeichnet und nicht und nie durch eine einzig gültige?“ Schickt uns eure Texte zum Thema "legen neue Kapitel an"! Wir freuen uns auf jedes Gedicht!

Christoph Szalay. geb. 1987. Studium der Germanistik in Graz sowie Kunst im Kontext an der UdK Berlin. Literaturbeauftragter des FORUM Stadtpark Graz. Zuletzt: Heimat, Installation @ Steirischer Herbst Volksfronten, 2018 / It's not your time to get your angels wings just yet (pt. I III), Installation sowie Leporello (25 Stück, limited edition), Rijeka, Graz, Triest, 2018 / OCTOPUS, Performance mit Marta Navaridas & Alex Deutinger, 2018 / when we turned off the light [we didn't see nothing], 89plus/Luma, Zürich, 2017 / SPACE=WOW (BUT I STILL MISS YOU, EARTH), chapbook bei Spacecraft Press, Calgary, 2017 sowie als Musiktheaterstück aufgeführt in den Minoriten Graz sowie den Musiktheatertagen Wien, 2017. Preise/Stipendien (u.a.): Wolfgang Weyrauch Forderpreis 2017, LICHTUNGEN Lyrikstipendium 2017, Alice Salomon Poetik Preis 2018 Aktuell: Stipendiat Schloss Solitude (Bildende Kunst|Theorie) 2018-2019, Upcoming (Kuration): BUYER, WALKER, ROVER II, Amalia Ulman (Writing Residency), eine Kooperation des Forum Stadtpark und des Grazer Kunstvereins, 2019.

toutlemondesaitque.com

Christoph Szalay
Heimat (2018)

Installation

Home is where the heart is. So klingt sie, die absurd banale Grundaussage vieler kunstreich vorgetragener Lobgesänge auf den Begriff Heimat: sentimentale Kindheitserinnerungen aus einem unvergleichlichen Hinterhof, zusammengesetzt und aufgebaut in einer Sprache, die offensichtlich ist und zugleich ihrer Dekonstruktion gegenüber gleichgültig bleibt. In seinem Zyklus Heimat setzt der Dichter Christoph Szalay dieser Unanfechtbarkeit des Alltäglichen die Hassliebe des Dichters entgegen, der in einer Sprache zu Hause ist, deren notwendigerweise kosmopolitische Grenzen sich beständig verschieben. Seine visuelle Poesie, die anlässlich des steirischen herbst ausgestellt wird, zeigt einen Vergleich im Nebeneinander, was ein wenig an die Vergleichsstudien erinnert, wie sie für die Wiener Schule der Kunstgeschichte im frühen 20. Jahrhundert typisch waren, wo man etwa der nordischen Linienführung das südliche sfumato gegenüberstellte. Die linke Seite der Gedichte Szalays zeigt jeweils pseudo-poetische Definitionen von Heimat in Fragmenten und mit kleinen Notizen und Zeichnungen versehen, die einem Online-Video entnommen sind, das von der sogenannten Identitären Bewegung der Neuen Rechten produziert wurde. Die rechte Seite zeigt die unbehagliche Selbstlokalisierung des poetischen Bewusstseins: Der Dichter wohnt in poetischen Readymades, in Theoriefragmenten, etymologischen Überlegungen und metonymischen Ketten, wobei englische Fugen in den deutschen Text einbrechen, der selbst wiederum ständig am Rande der Implosion zu stehen scheint. Zwei Welten stoßen aufeinander, ihre Spannung bleibt unauflösbar. Für den steirischen herbst zeigt Christoph Szalay seine Gedichte im Kreuzgang des Grazer Minoritenklosters in Form einer Installation. Sie nutzt volkstümliche Stichtechniken, wie sie im ländlichen Österreich traditionell zur Vermittlung erbaulicher Botschaften gepflegt werden.

Der steirische herbst ist ein internationales Festival für zeitgenössische Kunst, das jährlich in der Steiermark (Österreich) stattfindet. Es wurde 1968 in Graz, das damals noch am ideologischen „Rand“ der westlichen Welt lag, gegründet und ist das älteste Festival für zeitgenössische Kunst in Europa.

steirischerherbst.at

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