Presse

Julia Marie Weber aus Bretzenheim gewinnt mit ihren Reimen den "lyrix"-Förderpreis

von Marianne Hoffmann

Allgemeine Zeitung, 26.06.2017

PDF s. unten

MAINZ - Sie war schon immer eine große Leseratte, bis sie sich überlegte, dass das, was andere so schreiben, doch eigentlich auch ihr Ding sein könnte. Von ihrem 10. Lebensjahr an bis zum 15. Lebensjahr wollte Julia Marie Weber aus Mainz-Bretzenheim einen Roman schreiben. 150 Seiten schrieb sie auf ihrem Computer zusammen und schickte das Manuskript an verschiedene Verlage. Niemand interessierte sich für die Nachwuchsschriftstellerin aus Mainz.

Bis dahin hatte Julia Marie Weber nie über Lyrik und die Teilnahme an Wettbewerben nachgedacht, doch es war eine Option. Das Gedichteschreiben fiel ihr zu Beginn gar nicht so leicht. Viele Reime – aber noch nicht das Gelbe vom Ei. Erst nach und nach entwickelte sie ihre lockere Lyrikform, mit der sie schon Preisträgerin des Hattinger Förderpreises des Literatur-Preises Brenzlauer Berg und nun Preisträgerin des Bundeswettbewerbs „lyrix” wurde. Ihr Preisträgergedicht handelt von „T-Shirt-Tagen” einer todkranken Frau mittleren Alters, die die Tage zählt, an denen sie jene T-Shirts getragen hat und die Tage nicht mehr zählen kann, an denen sie die anderen tragen würde. Am nächsten Tag lebt sie nicht mehr.

Die Inspiration zu diesem Gedicht kommt aus ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr, das sie in Wiesbaden auf einer Palliativ-Station absolviert hat. Sie verarbeitet das Erlebte und ist noch nicht fertig damit.

„lyrix” als Wettbewerb gibt es schon seit 2008. 2013 wurde das Projekt zum Bundeswettbewerb ernannt. Im Herbst 2015 wurde der gemeinnützige Verein lyrix e.V. gegründet. Der Verein fördert Nachwuchslyriker und vermittelt Jugendlichen aktuelle Lyrik als eigene Ausdrucksform. Im Oktober, November und Dezember 2016 verschickte Julia die ersten Texte. Sie gewann in jedem Monat. Die Aufgabe besteht darin, in jedem Monat des Jahres ein Gedicht zu einem vorgegebenen Thema einzureichen. Mitmachen kann jeder im Alter von 15 bis 20 Jahren. Julia, 1996 geboren, hat es gerade noch so in dieser Altersgrenze geschafft und war eine von zwölf Gewinnern, die aus ganz Deutschland kommen.

Der Preis ist eine Reise nach Berlin, ein „Workshop” am Wannsee, ein Sprechtraining beim „Deutschlandfunk” und die Preisverleihung im Rahmen des Poesiefestivals Berlin in der Akademie der Bildenden Künste am Brandenburger Tor. In Berlin hat sie ihre Klassenkameradin Josephine Bätz aus dem Rabanus-Maurus-Gymnasium getroffen, die mit ihr die Schulbank in Mainz gedrückt hat, nun in Berlin studiert und wie sie „lyrix”-Preisträgerin ist. Julia Marie Weber studiert Medizin im zweiten Semester. Schriftstellerin oder Journalistin zu werden war nie ihr Ziel. Das Schreiben will sie beibehalten, ebenso ihre weiteren Hobbys wie Singen und Gitarre spielen und das Theater. Und wer weiß, ob wir Julia Marie Weber nicht demnächst bei einem „Singer-Songwriter”-Festival als Siegerin feiern?