Monatsthemen

und Gewinner*innen

Wölfe auf der Suche nach Freunden

Die Jury hat entschieden!

Wettbewerb im Februar 2020

Skifahren im Februar: In einer rasanten Fahrt werden „Melkmaschinen“, „Waschanleitungen“ und „Gondeln“ umkurvt, nach der Zieleinfahrt stellt sich die Frage, wer den Wölfen Freundschaft bieten könnte. Und was passiert, wenn wir keine Vitamine mehr aus den Wolken pflücken, wenn die Wölfe Freunde gefunden haben?

Glaudia Gabler

Wieder fahren sie die Butter von den Bergen ins 
Tal. Ihre Lawinen sind harte Bretter auf dem Weg 
aus der Sonne. Manchmal fällt ein Chinese aus der 

Gondel, zuckt mit den Achseln und steht wieder auf. 
Rosa Flipflops, die aus Gesteinssplittern ragen als 
Mahnmal für Blöde. Jacken mit Leuchtfeuersymbolen 

und mehrseitigen Waschanleitungen. Ihre 
Botschaften verlieren nach mehrfachem Schleudern 
den Bezug zu den Säugetieren. Doch noch stehen 

die Melkmaschinen nicht still, noch können wir 
Vitamine aus den Wolken pflücken, noch sind die 
Wölfe auf der Suche nach Freunden.

Als literarisches Symbol steht der Wolf nicht nur in Rotkäppchen für ungezähmte Wildheit und unkontrollierbare Aggressivität. Kann man mit so jemandem befreundet sein? Kann so jemand Freunde finden? Ist ein bisschen Wildheit in der Freundschaft nicht gerade wichtig, damit sie nicht langweilig wird? Welches Ungezähmte schlummert in uns, wie gehen wir mit dem Unkontrollierbaren, Übermächtigen der Natur um? Und nicht zuletzt: Welche Beziehungen finden Menschen noch miteinander, wenn alles um sie herum seine stabile Ordnung verliert, in Frage steht?

Auch in der Videoinstallation „Closed Loop“ des britischen Künstlers Jake Elwes wird ein ungewöhnliches Gespräch versucht: zwei künstliche Algorithmen reagieren jeweils aufeinander, der eine mit Worten, der andere mit Bildern. Braucht es noch Menschen, um einen unendlichen Dialog zu führen? Wir freuen uns auf eure Gedanken und auf eure Einsendungen für den Februar!

Claudia Gabler geboren 1970 in Lörrach * Studium der Publizistik und Theaterwissenschaft in Berlin * Autorin von Lyrik, Hörspielen und Prosa * diverse Auszeichnungen, u.a. Grimmelshausen-Förderpreis, Arbeitsstipendium Berlin, Landesstipendium Baden-Württemberg, Preisträgerin beim Literaturwettbewerb Wartholz (A), Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz für das Künstlerhaus Edenkoben * zuletzt: „Wohlstandshasen" (Gedichte, Edition Voss / Horlemann, Berlin, 2015) und „Wenn ich schon mal im Radio bin" (Kurzhörspielserie, Deutschlandfunk Kultur, 2018)

Jake Elwes 1993, GB 
Closed Loop (2017)
 
2-Kanal-Projektion

 

Aus der Sammlung des ZKM »Writing the History of the Future. Part I«

In der Videoprojektion »Closed Loop« kommunizieren zwei Modelle der künstlichen Intelligenz miteinander, das eine mit geschriebenen Wörtern und das andere mit Bildern. Der Dialog beider KI-Systeme basiert auf zwei unterschiedlichen Arten von neuronalen Netzen: ein sprachbasiertes rekurrentes neuronales Netz, das in Textform auf das reagiert, was es in künstlich erzeugten Bildern sieht, sowie ein generatives neuronales Netz, das als Antwort auf die generierten Wörter Bilder hervorbringt. Die zwei Systeme stellen abwechselnd den Inhalt des jeweils anderen dar, so genau es mit ihren eigenen Fähigkeiten möglich ist.

Die Systeme wurden mithilfe großer Datensätze trainiert. Der sprachbasierte Algorithmus wurde anhand von 4,1 Millionen Bildern darauf vorbereitet, Bilder zu identifizieren, während der bildbasierte Algorithmus mit 14,2 Millionen Fotografien aus der ImageNet-Datenbank programmiert wurde, auf Wörter zu reagieren. Nach Durchlaufen der Trainingsprozesse waren die beiden Systeme imstande, völlig autonom Bilder und Worte hervorzubringen.

Gelegentlich kommt es zu abwegigen Interpretationen des einen KI-Systems bezüglich der Inhalte des anderen, sodass die Kommunikation immer neue Themen und Bilder hervorbringt und sich teilweise abrupt in eine völlig neue Richtung entwickelt. Sind die Möglichkeiten eines gegenseitigen Verstehens oder auch eines Missverständnisses allzu unterschiedlich von dem zweier kommunizierender Menschen?

 

Jakes Elwes wurde 1993 geboren und lebt in London. Er schloss 2017 sein Studium mit einem Bachelor an der Slade School of Fine Arts in London ab und war zuletzt Teil der Artist Development Agency von Steve Fletcher. Seine Werke untersuchen die technologischen, philosophischen und ethischen Bedingungen und Hintergründe von Artificial Intelligence und wurden u.a. bei der Ars Electronica in Linz, im Frankfurter Kunstverein, beim CyFest in Venedig, am Edinburgh Future Institute sowie am Centre for the Future of Intelligence in Cambridge, UK gezeigt. Vorträge zur Schnittstelle von AI und Kunst hielt er 2019 u.a. an der Akademie der Künste in Berlin sowie am Barbican Center, am Royal College of Art, am British Museum und an der Goldsmith University in London.

 

 

 

ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe

Das ZKM ist eine Institution aller Medien und Gattungen, ein Haus sowohl der raumbasierten Künste 
wie Malerei, Fotografie und Skulptur als auch der zeitbasierten Künste wie Film, Video, Medienkunst, Musik, Tanz, Theater und Performance. 1989 mit der Mission gegründet, die klassischen Künste ins digitale Zeitalter fortzuschreiben, wird das ZKM auch das »elektronische bzw. digitale Bauhaus« genannt – ein Ausdruck, der auf den Gründungsdirektor Heinrich Klotz zurückgeht.

Durch die Verbindung von Forschung und Produktion, Ausstellung und Aufführung, Sammlung und Archiv kann das ZKM die Entwicklung der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts adäquat abbilden, nicht zuletzt weil die Sammlungs-, Ausstellungs- und Forschungstätigkeit des ZKM von Symposien und anderen Plattformen theoretischer Diskurse zwischen Philosophie, Wissenschaft, Kunst, Politik und Wirtschaft begleitet wird. Von Beginn an hat das ZKM dabei die Aufgabe übernommen, innovative und Bedingungen für die Entstehung von Kunst zu schaffen. Dafür wird im Hertz-Labor des ZKM mit GastkünstlerInnen und GastwissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt zu Künstlicher Intelligenz, Augmented Reality, Virtual Reality und vielen anderen aktuellen Themen geforscht, entwickelt und produziert. Neben der Präsentation und Produktion widmet sich das ZKM auch dem Erhalt von interaktiven, digitalen Medienkunstwerken und entwickelt hier neue technische Methoden für neue Formen der Kunst. Im Zusammenspiel von Forschungs- und Produktionstätigkeit sowie Ausstellungen und Aufführungen unterscheidet sich das ZKM von anderen Kulturinstitutionen. Es ist deshalb weit mehr als ein Museum, es ist ein Zentrum und ein Zukunftslabor. Alle Formen der Kunst können hier erlebt und Zukunftsentwicklungen aktiv mitgestaltet werden.

 

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