Monatsthemen

und Gewinner

wie ein falter das licht

Die Jury hat entschieden!

Wettbewerb im Mai 2019

Im Mai dreht sich bei lyrix alles um Licht und Schatten. „wie ein falter das licht“ heißt unser aktuelles Thema. Was ist, wenn das Streben nach Licht unter Umständen den Tod bringt? Wann wäre es sicherer, im Dunkeln zu bleiben? Und warum gehen wir das Risiko vielleicht trotzdem ein? Inspiration bieten euch ein Gedicht der Lyrikerin Alke Stachler und ein Gemälde von Orazio Gentileschi, das zurzeit in der Ausstellung „Utrecht, Caravaggio und Europa“ in der Alten Pinakothek in München zu sehen ist. Viel Spaß beim Dichten!

Alke Stachler

wir möchten mit den toten reden, als wäre es. als würde es uns.
oder sie. wir wollen sie berühren wie ein falter das licht, von
allem gelöstes, gereinigtes berühren. wie etwas, das absolut
schillert, aber. wir reden durch sie hindurch wie durch sand oder
zucker, wir fassen ins. wir verstehen ihren frieden nicht, wir
suchen sie in wäldern, im blut der nager, im schatten, erinnern
der erde, tiefer, dass sie gegangen sind, dass sie. wir legen unsre
ohren an marmor, senken uns bis an den rand unserer selbst,
dass sie uns verlassen haben, fragen, fragen. sind sie ablösbar
von allem, von dem tier, das der körper ist, bis an den rand
unserer. egal, was es uns. kostet, oder sie.

 

(aus: Alke Stachler, DÜNNER ORT, edition mosaik 2017)

Warum fliegt ein Falter zum Licht? Von jeglichen Lichtquellen – Deckenlampen, Laternen, Scheinwerfern – scheint er sich magisch angezogen zu fühlen. Warum das so ist? Selbst die Wissenschaft ist sich uneins. Theorien gibt es viele. Sicher ist nur, dass der Flug zum Licht meist den Tod bedeutet.

Warum zieht es den Falter ins Helle? Obwohl es im Dunkeln sicherer für ihn ist. Was suchen wir im Licht? Etwas Unerreichbares, so wie Alke Stachler das Streben nach Kontakt zu den Toten beschreibt?

Wann sucht ihr „wie ein falter das licht“, auch wenn es euch schadet? Wir freuen uns auf eure Einsendungen im Mai!

Alke Stachler
Geboren 1984 in Temeswar/Rumänien, lebt seit 1990 in Deutschland. Studium der Englischen und Neueren Deutschen Literaturwissenschaften in Augsburg und Swansea/Wales. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, z. B. Lyrik von Jetzt 3, Jahrbuch der Lyrik, Akzente, Der Greif. 2016 erschien der Gedichtband dünner ort (edition mosaik, Salzburg), der in Kooperation mit der bildenden Künstlerin Sarah Oswald entstand. 2017 erhielt sie den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg, 2018 für die Arbeit an ihrem zweiten Gedichtband ein Arbeitsstipendium des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.

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Orazio Gentileschi — David und Goliath
Nur der Hirtenjunge David hatte den Mut, Goliath, dem gigantischen Vorkämpfer des Philister-Heeres, allein mit einer Steinschleuder bewaffnet, gegenüberzutreten. Er traf ihn am Kopf und enthauptete ihn mit dessen Schwert. Die Figur Davids wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts häufig dargestellt. Er wurde allerdings nicht als kaltblütiger Henker betrachtet, sondern als Held, der das jüdische Volk befreite.

Orazio Gentileschi erfasste den Moment des Kampfes. Das zentrale Motiv ist die körperliche Gewalt und der Kraftakt Davids gegen den Riesen. David hat sein Schwert hoch erhoben, um den Koloss zu enthaupten, der mit seiner riesigen Hand vergeblich versucht, das Schwert abzuwehren. Andere Darstellungen in der Nachfolge Caravaggios zeigen David als stolzen Befreier des Volkes Israel. Hier steht der Triumph des Helden im Vordergrund.

Alte Pinakothek
Meilensteine der europäischen Malerei – die Alte Pinakothek zeigt in einer einzigartigen Dichte die Entwicklung der Kunst vom Mittelalter über die Renaissance und das Barock bis zum ausgehenden Rokoko. Die Sammlung umfasst mehr als 700 Kunstwerke aus den Glanzepochen der deutschen, flämischen, niederländischen, französischen, italienischen und spanischen Malerei. Leo von Klenzes klassizistisches, für die europäische Museumsarchitektur wegweisendes Gebäude (1836 erbaut) bietet den Rahmen für diese Schatzkammer abendländischer Kunst.

 

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