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und Gewinner*innen

Was, wenn nicht jetzt?

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Wettbewerb im Januar 2021

Ein neues Jahr. Aufbruchstimmung. „Was, wenn nicht jetzt?“ heißt passend dazu das erste Thema im lyrix-Wettbewerbsjahr 2021. Die Zeile stammt aus dem Gedicht „Es fehlte dies und das, aber Schlaf gab es noch genug.“ unserer Monatslyrikerin Judith Keller und macht erst beim zweiten Lesen stutzig. Habt ihr Vorsätze für das neue Jahr? Seid ihr voller Tatendrang? Was wollt ihr tun? Und wann, wenn nicht jetzt? Wir freuen uns auf eure Einsendungen im Januar und wünschen euch ein frohes neues Jahr!

Es fehlte dies und das, aber Schlaf gab es noch genug.

Judith Keller

Wer schon alles auf ist, frühmorgens, und wer sich davor fürchtet.

Kreidiges Licht, das alle zeichnet.

Normal tun, dann schauen wir weiter.

Wo ist jetzt dieser Traum?

Der Einbrecher, der auf dem Sofa der fremden Wohnung einschlief, war nicht dumm, sondern müde.

Und alles nur, weil Zeit vergeht.

Man könnte hier aufbrechen, quer durch die Luft.

Was, wenn nicht jetzt?

Wolken auf der Jagd.

Häuser gefaltet zum Flug.

Ich tu ja normal, ich will hier weg!

Warte, du bist eingefroren.

Die Gräser haben die ganze Nacht so weiter gemacht.

Das gemobbte Huhn in Frankreichs schönstem Dorf.

Das wache Grün dort auf dem Hügel.

Der Satz, der vor Jahren fiel.

 

Wo ist meine Erzählerin?

Die Maulwürfe markierten, wo das Schiff einst gelegen haben muss.

Das spielt sicher auch hinein.

Kein Empfang.

Ist das ein Schnarchen?

Gut, wenn das Laub kommt.

Das Windrad brachte neuen Schwung ins Feld.

Die Möwen waren es, die die Stadt abdichteten vor den härteren Winden.

Wieder wurde eine Taube geblitzt.

Im echten Leben ist er Polizist.

Die Dachfürsten gingen davon im ersten Licht.

Die Tiere nahmen den Lift.

Am frühen Morgen, als noch alles schlief, traten sacht die Schatten aus den Wänden in die Nacht.

Judith Keller zählt in ihrem Gedicht "Es fehlte dies und das, aber Schlaf gab es noch genug." Beobachtungen, Gedanken und Aussagen listenartig auf. Über jede Zeile ließe sich sinnieren, jede für sich weckt zahlreiche Assoziationen. Für das lyrix-Thema im Januar haben wir uns passend zum Jahresbeginn die Frage "Was, wenn nicht jetzt?" ausgesucht. Erst auf den zweiten Blick stutzt man und bemerkt, dass das "Wann" durch ein "Was" ersetzt wurde.

Was möchtet ihr gerade unbedingt sofort tun? Seid ihr zu Beginn des neuen Jahres in Aufbruchstimmung? Oder denkt ihr vielleicht, ihr müsstet jetzt etwas tun, aber wisst gar nicht so genau, was? Spielt mit der Frage "Was, wenn nicht jetzt?" und schickt uns eure Texte zum lyrix-Thema im Januar!

Judith Keller
ist 1985 in Lachen (SZ) geboren und in Altendorf aufgewachsen. Sie studierte Literarisches Schreiben in Biel und Leipzig sowie Deutsch als Fremdsprache in Berlin und Bogotá. Sie nahm an den Babelsprechtreffen in Bern und Salzburg teil. Ihre Gedichte wurden in Lyrik von Jetzt 3 veröffentlicht. 2017 erschien ihr Debüt "Die Fragwürdigen" beim Verlag der Gesunde Menschenversand, für den sie eine Anerkennungsgabe der Stadt Zürich und des Kanton Zürich erhielt. 2019 schrieb sie das Skript für einen Kurzfilm mit Sandzeichnungen der Künstlerin Christina Benz. Im November 2020 wurde ihr Theaterstück „Hangouts-Litrap“ von Theater MARALAM in der Roten Fabrik uraufgeführt. Im Frühling 2021 erscheint ihr zweites Buch „Oder?“ im Gesunden Menschenversand.

lyrix zu Gast im Museum
Im Januar ist die Kunsthalle Basel unser Partnermuseum. Sollte Corona es zulassen, wird Judith Keller im Januar eine lyrix-Schreibwerkstatt in den Räumen der Kunsthalle Basel leiten. Dort wird gerade die Ausstellung Barzakh der algerischen Künstlerin Lydia Ourahmane gezeigt. Ausgangspunkt für ihre Installation im Oberlichtsaal der Kunsthalle Basel sind Geschichten der Vertreibung und kolonialer Unterdrückung. Lest im Folgenden mehr!

Lydia Ourahmane, Barzakh, 15. Januar 2021 bis 05. April 2021
Lösegeld, illegaler Grenzübertritt, Austausch von Staatsangehörigkeiten: Transaktionen unterschiedlicher Art sind häufig der konzeptuelle Ausgangspunkt für die Arbeiten der algerischen Künstlerin Lydia Ourahmane (* 1992). Die Ergebnisse sind Video- und Tonarbeiten, Performances, Skulpturen und Installationen, die untersuchen, auf welche Art und Weise sich Geschichten der Vertreibung und kolonialer Unterdrückung in Körper einschreiben. Ourahmanes konzeptuelles Denken folgt zahlreichen Erzählungen und Erlebnissen von Einzelpersonen, fokussiert sich dabei auf deren historische, gesellschaftliche sowie zeitpolitische Relevanz und transformiert sie zu neue Erzählungen und stellte neue Kontexte her, welche das Publikum gekonnt dafür sensibilisiert, wie sich Geschichte und ihre realpolitischen Folgen in menschliche Körper und Objekte einschreiben und wie sie sich fortschreiben. Sie zeigt uns, wie sehr die Vergangenheit mit seinem Beziehungsgeflecht unser gegenwärtiges Leben prägt.

Für den eindrucksvollen Oberlichtsaal der Kunsthalle Basel wird Ourahmane eine neue, raumgreifende Installation entwickeln, die im Einklang ihrer bisherigen, noch sehr jungen künstlerischen Praxis steht. Die Ausstellung Barzakh in der Kunsthalle Basel ist die erste große, institutionelle Präsentation ihrer Werke in der Schweiz. (Text: Kunsthalle Basel)

Kunsthalle Basel
Die Kunsthalle Basel ist ein Ort, an dem zeitgenössische Kunst ausgestellt, diskutiert und reflektiert wird und dies schon seit ihrer Gründung 1872. Als eine der ersten und aktivsten Institutionen in der Region, die internationale und Schweizer Kunst der Gegenwart zeigt, ist die Kunsthalle Basel insbesondere für ihr tiefgreifendes Engagement für aufstrebende Künstlerinnen und Künstler bekannt. Dies mit der Absicht, anregende künstlerische Praktiken und mutige Ausstellungen einer interessierten Öffentlichkeit jeden Alters zu präsentieren. Mit bis zu zehn Ausstellungen pro Jahr, oft mit neuen Produktionen und begleitet von Künstlergesprächen, Performances und Filmvorführungen, ist die Kunsthalle Basel der Treffpunkt für die Betrachtung von, und Debatten über zeitgenössische Kunst. (Text: Kunsthalle Basel)

kunsthallebasel.ch

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