Monatsthemen

und Gewinner

sprung mit raketenrucksack

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Wettbewerb im September 2018

Marx, Lenin, Majakowski – und ein "sprung mit raketenrucksack". Wir freuen uns auf eure Texte im September! Diesen Monat steht das Gedicht „für majakowski“ von Max Czollek im Mittelpunkt des lyrix-Monatsthemas. Dort heißt es auch: „spielst die internationale/auf einem stahltau/der golden gate bridge“. Anknüpfungspunkte zum 200. Jubiläum von Karl Marx liegen auf der Hand. Die große Landesausstellung „Karl Marx 1818-1883. LEBEN. WERK. ZEIT.“ im Rheinisches Landesmuseum Trier und Stadtmuseum Simeonstift beleuchtet den Menschen Karl Marx in seiner Zeit. Ergänzend werden in den Partnerausstellungen im Museum Karl-Marx-Haus und im Museum am Dom die Wirkungsgeschichte sowie zeitgenössische Aspekte beleuchtet. Mit Schreibwerkstätten ist lyrix im September zu Gast in den Trierer Museen.

für majakowski

Max Czollek

schwindelhöhe von deinen
              wangenknochen
sprung mit raketenrucksack
       schwaden im stift
spielst die internationale
auf einem stahltau
der golden gate bridge

       so sieht zukunft aus
und dann du
lakonische baskenmütze
jagst dir karabiner in das herz
bis es ganz blutig
               an der wand

aufgeblättertes buch
               fanden wir dich
       über dem schreibtisch
       agitierte lenin
und war teil
deiner roten collage

 

(aus: Druckkammern, Verlagshaus Berlin 2012)

Max Czollek widmet sein „für majakowski“ dem „reisende[n] Trommler der russischen Revolution“ [https://www.zeit.de/2008/42/SM-Majakowski], Wladimir Majakowski, der, vermutlich aus Liebeskummer, Selbstmord beging. Die Internationale und die Golden Gate Bridge treffen in Czolleks Gedicht ebenso aufeinander wie die lakonische Baskenmütze und Lenin.

„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus. Alle Mächte des alten Europa haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Papst und der Czar, Metternich und Guizot, französische Radikale und deutsche Polizisten.“ So beginnt das von Karl Marx und Friedrich Engels um 1847/1848 verfasste „Manifest der Kommunistischen Partei“. Wladimir Iljitsch Lenin, der als Gründer der Sowjetunion gilt, bezog sich u.a. auf dieses Werk und die marxistische Theorie – und Majakowski „lernte Russisch, / einzig darum, / weil Lenin russisch gesprochen“ hat [aus: Wladimir Majakowski, Unsere Jugend, 1927].

Während Wladimir Majakowski vielen kein Begriff mehr ist, ist es Karl Marx umso mehr. Seine theoretischen Grundlagen beeinflussen politische und wirtschaftliche Diskurse bis in die Gegenwart. Wie passt aber nun Majakowski zu Marx? Sind es politische Ansichten, die sie verbinden? Der Tod? Die Tatsache, dass Marx bereits einige Jahre vor Majakowskis Geburt starb? Inwieweit sind beide „teil [einer] roten collage“?

Schickt uns im September eure Gedichte zum Thema „sprung mit raketenrucksack“!
Dabei könnt ihr euch ganz nah am Vers orientieren: Was ist ein Raketenrucksack? Katapultiert er den Springer wieder nach oben? Wann könnte man einen Raketenrucksack gebrauchen?
Oder ihr legt den Vers etwas weiter aus und spannt in euren Texten einen größeren Bogen: Vielleicht nehmt ihr Bezug auf die Lebensgeschichte von Majakowski. Oder ihr greift den Hintergrund des Kommunismus auf und widmet euch Karl Marx und seinem Denken. Wir freuen uns auf eure politische Lyrik!

Max Czollek
Geboren 1987 in Berlin, lebt ebenda. Seit 2009 Kooperation im Lyrikkollektiv G13 bei gemeinsamen Lesetouren, Schreibwerkstätten und Veröffentlichungen. Seit 2013 deutscher Kurator des internationalen Lyrikprojekts Babelsprech zur Vernetzung junger deutschsprachiger Lyrik (babelsprech.org). Im Verlagshaus Berlin erschienen die Gedichtbände „Druckkammern“ (2012) und „Jubeljahre“ (2015). Das Theaterstück „Celan mit der Axt“ wurde 2017 am Berliner Maxim Gorki Theater, Studio Я uraufgeführt. Für seine künstlerische Arbeit erhielt er zuletzt den Bonner Literaturpreis 2017 sowie das Residenzstipendium der Kulturakademie Tarabya, Istanbul 2018. Kürzlich ist das Sachbuch „Desintegriert Euch!“ im Carl Hanser Verlag München erschienen.

Landesausstellung „Karl Marx 1818-1883. LEBEN. WERK. ZEIT.“
Ein Ausstellungsprojekt der Karl Marx 2018 Ausstellungsgesellschaft mbH im Rheinischen Landesmuseum Trier und Stadtmuseum Simeonstift

5. Mai bis 21. Oktober 2018

Die große Landesausstellung „Karl Marx 1818-1883. LEBEN. WERK. ZEIT.“ im Rheinisches Landesmuseum Trier und Stadtmuseum Simeonstift beleuchtet den Menschen Karl Marx und seine berühmtesten Werke in seiner Zeit. Ergänzend werden in den Partnerausstellungen im Museum Karl-Marx-Haus und im Museum am Dom die Wirkungsgeschichte sowie zeitgenössische Aspekte beleuchtet.

 

Schreibwerkstätten und Themenführungen
Vom 03. - 06. September 2018 finden in den Trierer Museen lyrix-Schreibwerkstätten und Themenführungen zum Monatsthema "sprung mit raketenrucksack" statt. Ausgewählte Museumsexponate liefern dabei weitere zündende Ideen. Im Landesmuseum steht die einzige noch erhaltene Manuskriptseite von „Das Manifest der kommunistischen Partei“ aus der Hand von Karl Marx im Mittelpunkt.

Philosoph, Revolutionär, Journalist oder Marxist? Kaum eine Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts ist heute noch so bekannt, aber auch so umstritten und missverstanden wie Karl Marx. Wer verbirgt sich hinter diesem großen Namen? Anlässlich des 200. Geburtstages beleuchten die große Landesausstellung „Karl Marx 1818-1883. LEBEN. WERK. ZEIT.“ im Rheinischen Landesmuseum und Stadtmuseum Simeonstift sowie die Partnerausstellungen im Museum Karl-Marx-Haus und Museum am Dom die vielen Facetten von Marx als Mensch und Analytiker.

 

Manuskriptseite „Das Manifest der Kommunistischen Partei“
„Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“ Mit diesen Worten beginnt „Das Manifest der Kommunistischen Partei“. Karl Marx und sein Freund Friedrich Engels haben die Schrift gemeinsam verfasst. Vom Manuskript hat sich einzig diese eine Seite aus der Hand von Marx erhalten. Seit 2013 zählt das besondere Papier zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Was steckt dahinter? Marx und Engels beschreiben darin die gesellschaftlichen Verhältnisse und rufen zum Klassenkampf zwischen Lohnarbeitern (Proletariern) und Besitzenden (Bourgeoisie) auf. Zunächst erlangt die Schrift damals nur wenig Aufmerksamkeit. Not und Unterdrückung treiben die Menschen 1848/1849 in fast ganz Europa auf die Straßen. Im Kampf für Menschen- und Freiheitsrechte riskieren sie ihr Leben.

Später gewinnt das „Manifest“ großen Einfluss. Bis in das 20. Jahrhundert hinein wird das Werk in viele Sprachen übersetzt. Marx‘ Ideen werden allerdings nach seinem Tod vereinnahmt und umgedeutet. Doch wie sind der Mensch Karl Marx und sein Werk im Kontext seiner eigenen Zeit zu verstehen? Diese und weitere spannende Fragen beleuchtet die große Landesausstellung im Landesmuseum und Stadtmuseum.

Rheinisches Landesmuseum Trier
Das Rheinische Landesmuseum Trier ist eines der wichtigsten archäologischen Museen in Deutschland und dokumentiert 200.000 Jahre Geschichte und kulturelle Entwicklung der gesamten Region von der Urzeit bis zum Ende des 18. Jahrhundert.

Stadtmuseum Simeonstift Trier
Das Stadtmuseum Simeonstift ist auf die Geschichte der Stadt und der Region vom Mittelalter bis zur Gegenwart spezialisiert. Malerei, Skulptur, Textilien und Kunsthandwerk ab dem 10. Jahrhundert dokumentieren das Leben Triers und seiner Menschen.

Museum Karl-Marx-Haus
Das Geburtshaus von Karl Marx, um 1727 als barockes Wohnhaus erbaut, 1928 durch die SPD erworben, wird seit 1968 von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) als Museum betrieben. Die neue Dauerausstellung im Geburtshaus – dem größten Exponat der Schau – widmet sich der Person Karl Marx, der Entstehung seiner Theorie und deren Wirkung bis in die Gegenwart.

Museum am Dom Trier
Das Museum am Dom beherbergt Objekte aus annähernd 1700 Jahren Bistumsgeschichte. Neben einer archäologischen Sammlung, die vor allem frühchristliche Objekte aus Trier umfasst, handelt es sich vor allem um Skulpturen, Malerei, Elfenbeinschnitzereien, Goldschmiedewerke und Paramente.

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