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und Gewinner*innen

was für eine Vorlage zur Kritik

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Wettbewerb im Juli 2020

2927 – ein Jahr in ferner Zukunft. Wie sieht es aus, das Leben auf der Erde? Zum Beispiel so: Vögel, in Bäumen, die weitläufig das Land überwachsen bis zu den Küsten tiefer Meere. Wo ist der Mensch?

2979

Kenah Cusanit

überraschend doch die Vögel, dass sie leben. zu dieser Zeit
an diesem weitverbreiteten Ort, Bäume anfliegen. Nester
aus Leinen, Nester aus Leinen! dass die Bäume wachsen
zur hinsichtlichsten Reling des Meeres, was für eine Vorlage
zur Kritik. das Meer, das langweilig ist. dass es überfahrbar
aber nicht übergehbar ist. dass es tief ist. dieses grundlose
Wasser hat einen Grund, mich. dass ich überfahrbar bin
aber nicht übergehbar. Logik, die in einen gelungenen
kleinen Himmel führt, oder nicht.

Die Autorin und Lyrikerin Kenah Cusanit hat Philologie, Ethnologie und Afrikanistik studiert. Ihr zweiter Lyrikband „Chronographe Chorologien I“ versammelt kurze Texte, die in assoziativen Gedanken ihr Interesse an der Entwicklung der Menschheitsgeschichte spiegeln. Überschrieben mit einzelnen Jahreszahlen, greifen sie verschiedene Zeiten (gr. chronos) und Orte (gr. chora) in Vergangenheit und Zukunft auf, teils mit konkreten historischen Bezügen, wie z.B. zu Christoph Columbus, teils unbestimmt und mehrdeutig. Der Prolog des Bandes ist mit dem Text „2979“ in der Zukunft verortet. Er mutet wie das Fragment eines Gedankenstroms an und bietet auf den ersten Blick wenige Anhaltspunkte. Doch nach und nach verbinden sich die Elemente und werfen Fragen auf, über das Leben und seine Kreisläufe, über die Macht der Natur, über den Menschen und sein Verhältnis zu ihr…

Die Antworten überlässt das Gedicht den Lesenden – zu welchen Perspektiven inspiriert er euch? Sind sie versöhnlich, kritisch, fatalistisch? Wir sind gespannt auf eure Texte!

Kenah Cusanit: *1979, lebt in Berlin. Studierte Altorientalistik, Ethnologie und Afrikanistik. Schreibt vor allem Essayistisches und Gedichte. Im hochroth Verlag erschienen sind die Gedichtbände „aus Papier" (2014) und „Chronographe Chorologien I" (2017), ihr Roman „Babel" (Hanser) war 2019 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Infos zu unserem Kooperationsmuseum im Juli, dem LWL-Museum für Archäologie in Herne, folgen in den nächsten Tagen! Außerdem erwartet euch ein Videoclip, in dem Kenah Cusanit selbst ihr Gedicht vorträgt.  

 

 

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