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lyrix - Bundeswettbewerb für junge Lyrik logo

Monatsthemen und Gewinner*innen

10-14 Jahre

Was sind Ihre Ziele im...?

Die Jury hat entschieden!

Wettbewerb im Oktober 2022

„Was sind Ihre Ziele im Leben?" „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?" Diese Fragen bekommt man in der Schule gestellt, bei Vorstellungsgesprächen, aber auch gerne mal auf Familienfeiern. Und sie können ganz schön nerven. Weil man vielleicht gar keine ehrliche Antwort darauf geben möchte, oder auch nicht kann, da man es selbst einfach noch nicht weiß.

Im Oktober möchten wir uns mit der oft unangenehmen Frage nach den Zielen im Leben auseinandersetzen. Vielleicht lohnt sich auch ein Blick darauf, gerade weil sie unangenehm ist. Als Anregung haben wir euch dafür zwei ganz unterschiedliche Auseinandersetzungen mit dem Thema ausgesucht: eine ganz ohne und eine mit Worten. Die ohne Worte seht ihr rechts. Die Influencerinnen Lisa und Lena Mantler antworten nur mit Gesten auf die Frage „Wo seht ihr euch in fünf Jahren?". Das Foto ist Teil der Rubrik „Sagen Sie jetzt nichts" des Magazins der Süddeutschen Zeitung, in der Prominente Fragen ohne Worte beantworten.

Wortreich hingegen behandelt unsere Monatslyrikerin Dilek Mayatürk das Thema. Ihr Gedicht „VORSTELLUNGSGESPRÄCH", das ihr im Folgenden lesen könnt, gibt eine mögliche, lyrische Antwort auf die Frage „Was sind Ihre Ziele im Leben?". Hättet ihr diese Antwort erwartet? Was macht sie ungewöhnlich?

Im Oktober rufen wir euch auf, Gedichte zum Thema „Was sind Ihre Ziele im...?" zu schreiben! Was wollt ihr mal werden? Wie wollt ihr leben? Habt ihr schon konkrete Wünsche und Vorstellungen oder bauen Fragen in diese Richtung eher Druck auf und nerven euch? Welche Pläne schmiedet ihr für die Zukunft? Und wie geht ihr mit Ungewissheiten um? Wir freuen uns auf eure wortreichen Ideen!

VORSTELLUNGSGESPRÄCH

Dilek Mayatürk

Wurde gefragt:
Was sind Ihre Ziele im Leben?

„Ich will erfahren, wie ein Hornhecht das Meer zunäht
Mit zwei Stricknadeln an seinem Maul
Ich will sehen, dass zwei Pinguine einander umarmen
– Drei wären natürlich besser –
Ich will die Schlucht mit ihrem Abgrund lieben
Und schreien: Dir ist vergeben!
Dir ist vergeben…  ist vergeben… vergeben… vergeben…
Ich will mein Echo auf mich beziehen.

Die Alm liegt hoch,
Man steigt zu ihr nicht runter, sondern rauf
Das will ich der Alm sagen.
Habe ich Ihnen das erzählt?
Ooh Herr Etna, sagte ich, als ich diesen erhabenen Berg sah
Stromboli war eine aufbrausende junge Frau
Ich erkannte es an ihrem roten Rock.

In einer Grube will ich auf den Zusammenbruch warten
Wissen Sie, der Fisch panzert sich mit seinen Schuppen
Der Mensch mit seinen Sünden.

Und es wäre gut zu wissen:
Ist der Petersfisch glücklicher,
Wenn wir ihn Heringskönig nennen?

Wurde gesagt:
Wir rufen Sie an.

Weiterführende Informationen

Dilek Mayatürk
Geboren 1986 in Istanbul, studierte in ihrer Heimatstadt und in Klagenfurt Soziologie. Als Dokumentarfilmerin und Produzentin arbeitete sie für unterschiedliche Medien. 2014 erschien Cesaret Koleksiyonu (Yeniinsan Yayınevi), 2020 Brache (Hanser Berlin), 2021 Bir Daha Yok Çiçeği (Klaros Yayınları). Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Videos zum Monatsthema

Lesung Monatsgedicht und Schreibimpulse von und mit Dilek Mayatürk

Die Jury hat entschieden!