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lyrix - Bundeswettbewerb für junge Lyrik logo

Monatsthemen und Gewinner*innen

10-14 Jahre

Spiegelgesichter

Wettbewerb im November 2021

Neu bei lyrix: Ab sofort gibt es jeden Monat gleich zwei Monatsthemen, eins für 10- bis 14-Jährige und eins für 15 – 20-Jährige. Die Einsendungen werden separat bewertet und künftig präsentieren wir euch zu jedem Thema nicht mehr 6, sondern 12 Monatsgewinner*innen – 6 aus jeder Altersgruppe!

Hier seid ihr beim aktuellen Monatsthema für alle 10- bis 14-Jährigen! Es heißt "Spiegelgesichter" und beschäftigt sich mit der Frage: Wie wäre es, nicht nur in euer Spiegelbild, sondern in eine gealterte Version eures Gesichts zu blicken, so wie es Gesichter-Apps möglich machen.

"bei jedem Tritt ein Klick-Klack den Schritten voraus": Was kommt euch zu dieser Zeile in den Kopf? 

Wie wäre es, wenn man sich selbst voraus sein kann? Seiner eigenen Zeit? Zumindest optisch? Es gibt Apps, die uns das eigene Altern vorspielen. Plötzlich in sein gealtertes Gesicht zu blicken, kann ganz schön unheimlich sein. Die datenschutzrechtlich bedenkliche FaceApp, aber auch ihre vielen Alternativen wie FaceU, lassen uns anhand eines Selfies in unsere Zukunft blicken, gewöhnen uns an graue Haare und Falten. Wir kommen plötzlich ins Grübeln: Wie sieht unser Leben wohl aus, wenn wir alt sind?

Der Ausgangspunkt für unser aktuelles Monatsthema "Spiegelgesichter" ist das untenstehende Gedicht von Sandra Burkhardt. Aus ihm stammt die eben zitierte Zeile "bei jedem Tritt ein Klick-Klack den Schritten voraus" und es beschreibt eine Szene, in der jemand sein Spiegelbild auf einer Wasseroberfläche betrachtet. Was löst es in uns aus, wenn wir in unser eigenes Augenpaar blicken?

Wir freuen uns im November auf eure Einsendungen zum Thema "Spiegelgesichter"! Wagt einen Blick in eure eigene Zukunft und stellt euch vor, ihr blickt nicht nur in euer Spiegelbild, sondern in euer gealtertes Gesicht. Was möchtet ihr ihm sagen? Was sagt es euch?

Auszug aus dem Zyklus „So Augenweide Achsen"

Sandra Burkhardt

Dann eilt bei jedem Tritt ein Klick-Klack den Schritten voraus
bis vors Bassin, auf dessen Fläche man blickt. Mit treibenden
Blättern belegt erscheint das eigene Gesicht und neigt es sich,
bleibt es doch platt, als habe man die Tiefe abgeworfen.
Dem nicht genug, aus ihr lockt etwas einen Fisch
und beide Augenpaare treffen sich, legen sich ineinander,
um durch sich hindurch nur noch den anderen zu sehen.
Aus welcher Richtung ist das Bild nun zu betrachten, um
nicht bloß Schicht um Schicht sichtbar zu machen? Denn auch
vom Grund aus gesehen, legt sich Wasser als Hülle um alles.

 

aus: Sandra Burkhardt, „Wer A sagt“, Gutleut Verlag 2018.

Weiterführende Informationen

Sandra Burkhardt
wurde 1992 in Laupheim geboren und studierte Kunstgeschichte und Literarisches Schreiben in Karlsruhe und Leipzig. Sie lebt derzeit in Berlin. 2016 war sie Preisträgerin für Lyrik beim 24. Open Mike in Berlin, 2021 »Zwei Raben«-Stipendiatin im Ubbelohde-Haus sowie Literaturstipendiatin der Kulturstiftung Baden-Württemberg. Ihr Debutband Wer A sagt erschien 2018 im Gutleut Verlag, 2019 war sie mit ihm bei den Lyrikempfehlungen vertreten. In den Texten des Bandes beschäftigt sie sich mit dem Thema des Ornaments und erkundet, wie sprachliche Zugriffe auf visuelle Phänomene funktionieren und aussehen könnten, welche Defizite und Überschüsse dabei entstehen. Das Ornament wird zum Gegenstand von Betrachtungen, die zwischen Lyrik und Prosa changieren und nach dem Verhältnis von Freiheit und Determination ebenso fragen wie nach der Produktion von Sinn.

 

 

Videos

Lesung Gedicht und Schreibimpulse von und mit Sandra Burkhardt